Rezension Heartless von Marissa Meyer

Inhalt: Long before she was the terror of Wonderland, she was just a girl who wanted to fall in love. Catherine may be one of the most desired girls in Wonderland, and a favorite of the unmarried King of Hearts, but her interests lie elsewhere. A talented baker, all she wants is to open a shop with her best friend. But according to her mother, such a goal is unthinkable for the young woman who could be the next queen.
Then Cath meets Jest, the handsome and mysterious court joker. For the first time, she feels the pull of true attraction. At the risk of offending the king and infuriating her parents, she and Jest enter into an intense, secret courtship. Cath is determined to define her own destiny and fall in love on her terms. But in a land thriving with magic, madness, and monsters, fate has other plans.
-via amazon.de

Okay, okay – wahrscheinlich werde ich mir mit dieser Rezension hier eher keine Freunde machen. Bisher habe ich fast nur begeisterte und vollkommen überzeugte Kritiken zu „Heartless“ gesehen. Die vorherige Reihe von Marissa Meyer fand ich wirklich grandios, wie ihr hier in meiner Rezension nachlesen könnt. Deswegen habe ich mich wahnsinnig auf ihr neues Buch gefreut, denn der Klappentext hat sich wirklich klasse angehört und versprach eine spannende Geschichte mit einer selbstbewussten und sympathischen Protagonistin. Bekommen habe ich all das dann aber leider nicht! Eher im Gegenteil, denn „Heartless“ hat mich ziemlich enttäuscht und ich kann die ganzen positiven Rezensionen ehrlich gesagt überhaupt nicht nachvollziehen.

Die Geschichte spielt im Kingdom of Hearts, das von Marissa Meyer sehr gut beschrieben wird. Denn das muss man ihr lassen – schreiben kann sie auf jeden Fall! Die Sprache war hier um einiges anspruchsvoller als in den „Luna Chroniken“ und ich musste einige Sätze zweimal lesen, um mit den vielen unbekannten Ausdrücken klarzukommen. Vielleicht lag hier schon das erste Problem, denn es viel mir wirklich schwer, mich mit den Figuren in Hearts zu identifizieren und mich in sie hineinzuversetzen. Meistens reden diese nämlich schrecklich geschwollen und kompliziert und kommen einfach nie wirklich auf den Punkt. Sicherlich ist das der Tatsache geschuldet, dass Meyer mit ihrem Schreibstil nah am Original bleiben möchte und es ist auch wirklich beeindruckend, wie sie das die gesamte Geschichte hindurch beibehält – aber es trägt zumindest für mich eben nicht unbedingt zum Lesevergnügen bei.

Rezension Heartless von Marissa Meyer

Tja, und dann die Handlung. In der ersten Hälfte des Buches ist sie leider nicht wirklich existent, da sich alles immer nur im Kreis dreht. Cath denkt immer wieder darüber nach, was für eine perfekte Bäckerin sie doch ist, der King of Hearts feiert irgendwelche Feste, ihre Eltern drängen auf eine Verlobung und Cath bemitleidet sich selbst. Einigermaßen spannend wird es erst ab der zweiten Hälfte, denn da kommt endlich Jests wahre Intention ins Spiel, die ich ziemlich klasse und interessant fand!

Was mich in „Heartless“ aber am meisten gestört hat, war die Protagonistin Cath. Diese ist die Tochter eines Marquess, liebt nichts mehr als das Backen und möchte am liebsten mit ihrer Zofe eine Bäckerei eröffnen. Ihre Eltern haben aber andere Pläne und möchten, dass sie den King of Hearts heiratet und selbst Königin wird. Eigentlich eine ziemlich spannende Ausgangslage für das Buch, die so viel Potential geboten hätte. Aber leider macht Cath das einfach alles kaputt! Anders als im Klappentext gesagt ist Cath nämlich alles andere als davon entschlossen, ihr Schicksal selbst zu bestimmen. Stattdessen ist sie fast das gesamte Buch hindurch unglaublich passiv und nimmt alles einfach hin. In Gedanken bemitleidet sie sich zwar dauerhaft selbst, tut dann aber auch nichts dagegen. Zwar versucht sie durchaus, ihren Traum von einer Bäckerei wahrwerden zu lassen, aber das wirkt auch alles sehr halbherzig.
Und dann kommt natürlich Jest, der dem Leser mal wieder vor Augen führt, dass Frauen anscheinend nur glücklich werden können, wenn sie einen Kerl haben. Ohne hat das Leben schließlich keinen Sinn! Dabei war Jest immerhin einer der wenigen Charaktere, die ich wirklich gerne mochte, auch wenn mir völlig schleierhaft war, was genau er an Cath so toll und bewundernswert fand. Zumal alles, wirklich ALLES was in diesem Buch schiefläuft, ihre Schuld ist. Deswegen ist es mir ehrlich gesagt auch unmöglich, am Ende Mitleid mit ihr zu haben.

Rezension Heartless von Marissa Meyer

SPOILER

Ich meine, ernsthaft – Jest ist tot, weil Cath nicht auf Hatta hören konnte, die Prophezeiung der drei Schwestern ignoriert hat und unbedingt zurück nach Hearts musste. Aber anstatt sich das einzugestehen und die Schuld bei sich zu suchen, dreht sie komplett durch und wird zu einer völlig anderen Person, die ich am liebsten an den Jabberwocky verfüttert hätte. Macht ihr Verlust ihren Wandel und ihr abschließendes Verhalten glaubwürdig oder legitim? Nein, ich finde nicht. Cath ist so von Hass zerfressen, dass sie alles aufgibt, was sie zuvor ausgemacht hat. Ihr Wunsch nach Freiheit? Vergessen! Die Freundschaft zu Mary Ann? Pff, wer braucht das schon! Ihr größter Herzenswunsch, die Bäckerei? Egal!

SPOILER ENDE

Rezension Heartless von Marissa Meyer

Man muss denke ich dazusagen, dass ich das Original von Lewis Caroll nicht gelesen und nur den Film von Tim Burton gesehen hatte. Nach Beenden des Buches habe ich mich noch etwas informiert und gemerkt, dass Burton ja wirklich einige Dinge aus der Originalvorlage abgeändert oder vermischt hat. Hätte ich vorher gewusst, dass die Queen of Hearts eigentlich viel eher der Red Queen aus dem Film ähnelt, wäre ich sicher mit anderen Erwartungen an „Heartless“ herangegangen. Trotzdem hätte das denke nichts an meinen Problemen mit dem Buch geändert und Caths Wandlung wäre genauso wenig nachvollziehbar gewesen.

Fazit: Für mich war „Heartless“ leider ein Fehlgriff – trotz Meyers außergewöhnlichem Schreibstil und ihrer Fähigkeit, interessante Welten zu erschaffen, konnte mich das Buch nicht überzeugen. Das lag vor allem an der schleichenden Handlung und der Protagonistin Cath. Diese war mir einfach schrecklich unsympathisch und ich konnte ihr Verhalten sowie ihre Wandlung am Schluss überhaupt nicht nachvollziehen.

Rezension Heartless von Marissa Meyer

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4 thoughts on “Rezension: Heartless von Marissa Meyer

  1. Ach, ich find’s immer noch so schade, dass dich Heartless nicht überzeugen konnte. :(

    Ich fand gerade Caths Passivität so spannend, weil ich sie ganz anders interpretiert hatte – für mich war sie vielmehr ein Zeichen für die Gesellschaft, in der sie gefangen ist, und dass es ihr nicht gelingt, auszubrechen. Bei den Ereignissen am Ende stimme ich dir zu: Es IST ihre Schuld, und gleichzeitig glaube ich, dass es Teil der Prophezeiung ist, was das Ganze einfach nur tragischer macht. Und vielleicht verdrängt sie das alles und wird deshalb zu der Queen of Hearts, weil sie einfach nicht anders damit umgehen kann.

    Aber na ja, andere Bücher, andere Meinungen – vielleicht kann Meyers nächstes Buch (ich hab gehört, es soll wieder eine Reihe werden) uns beide wieder überzeugen!

    Posted on 21/02/2017 at 12:07
  2. Ich glaube, Marissa Meyer sollte ich mich endlich mal widmen.

    Neri

    Posted on 21/02/2017 at 19:38
  3. Hmmm… nachdem ich die Luna-Chroniken so unglaublich vergöttert habe, wollte ich auch Heartless unbedingt noch lesen. Deine Rezension macht mich nun jedoch etwas skeptisch. Vermutlich werde ich dem Buch aber trotzdem eine Chance geben. Toller Post!

    Posted on 21/02/2017 at 21:23
  4. Das hört sich nach einem Buch an, um das ich einen Bogen machen werde. Ich kann es nicht leiden, wenn Protagonistinnen so reagieren wie von dir beschrieben. Kann die Handlung noch so gut sein, so was nervt mich dann immer über alle Maße!

    Posted on 22/02/2017 at 12:02