Redebedarf #1: Warum es mich aufregt, in Schubladen gesteckt zu werden

Heute mal ein etwas anderer Beitrag, der mir schon seit Langem am Herzen liegt und den ich schon gefühlte dreitausendmal neu geschrieben habe, weil ich mit dem Ergebnis nie so ganz zufrieden war. Verzeiht also, wenn auch diese Endfassung hier teilweise etwas arg durcheinander und emotional ist, aber das Thema regt mich einfach unglaublich auf. Worum es gehen soll? Schubladendenken. Immer wieder lese ich auf Blogs oder Instagram Kommentare, in denen eine Person nur über einen Aspekt ihrer Persönlichkeit definiert wird; das dann meist in sehr herablassender und verletzender Art und Weise. Und das macht mich wütend.

Dieses Problem hat so viele Facetten, dass ich ehrlich gesagt gar nicht genau weiß, wo ich anfangen soll. Vielleicht mit einem der Hauptthemen hier auf dem Blog: Rezepte. Nein, ich lebe nicht vegan, aber ja, ich ernähre mich größtenteils so. Daheim gibt es keine tierischen Produkte, weil ich das einfach nicht mit mir selbst verantworten kann und Massentierhaltung nicht unterstützen möchte. Auswärts gibt es eigentlich immer Alternativen, aber wenn nicht, esse ich auch mal ein Eis oder einen Crêpe. Solche kleinen Dinge mit Freunden zu genießen ist für mich nämlich ein großes Stück Lebensqualität, das ich mir nicht nehmen lassen will. Jetzt gibt es da Personen, für die man mit dieser Einstellung der größte Heuchler überhaupt ist. Und es gibt auf der anderen Seite Leute, für die man durch eine vegane Ernährung komplett durchgedreht und bescheuert ist, die sich angegriffen fühlen, wenn man eben kein Fleisch isst. Ich frage mich – was geht es diese Menschen denn bitte an? Richtig, gar nichts! Niemand, wirklich niemand hat das Recht, eine andere Person aufgrund ihrer Ernährung zu verurteilen und in eine Schublade zu stecken.

Nächstes Beispiel: Als Mädchen Videospiele zu mögen. Ja, ich habe eine Playstation. Ja, ich liebe Spiele wie „Horizon: Zero Dawn“ und „The Witcher“. Und ja, ich kann mich stundenlang in deren fiktiven Welten verlieren und problemlos einen ganzen Abend vor der Konsole verbringen. Nur verstehe ich nicht, weshalb das bei Männern ein ganz normales Hobby, bei Frauen aber viel zu oft komplett negativ konnotiert ist? Warum das in Gesprächen immer etwas seltsames und befremdliches ist? Viele meiner Freundinnen mögen Videospiele genauso sehr wie ich, egal um welches Genre es dabei geht. Sind wir deswegen alle keine „richtigen“ Frauen und müssen uns jedes Mal dafür rechtfertigen? Definitiv nicht! Ich mag Videospiele, ja. Genauso gerne mag ich es aber auch, abends feiern zu gehen, mich zu schminken und schöne Klamotten anzuziehen. Weshalb denken noch so viele, dass sich das beides ausschließen muss?

Letzter Punkt: Die viel zu vielen Klischees bei all den unterschiedlichen Sportarten da draußen. Beim Frauenfußball wird gar kein richtiger Fußball gespielt, Yoga ist nur was für weltfremde esoterische Spinner, ins Fitnessstudio gehen ausschließlich absolute Muskelfanatiker und HIIT-Workouts zuhause bringen ja sowieso nichts. Natürlich ist das jetzt alles sehr überspitzt, aber trotzdem begegnet man diesen Klischees immer noch so so häufig. Aber was, wenn jemand alle dieser Sportarten betreibt? Tja, dann funktioniert das eben nicht mehr!
Wir haben alle so viele Facetten und es ist schlichtweg falsch, ignorant und hat absolut keine Grundlage, Menschen nur über einzelne herausgepickte Interessen zu definieren. Schließlich sind wir alle so viel mehr als das und niemand verdient es, in irgendwelche Schubladen gesteckt zu werden. Ich mag Filme, kann mir keinen besseren Sport als Fußball vorstellen, koche vegan, kann mich in Büchern verlieren, liebe Videospiele, kann stundelang über „Star Wars“ reden, vergöttere Yoga und trage gerne Kajal – und niemand hat das Recht, wegen einem dieser Dinge über mich zu urteilen.


Wie steht ihr zu dem Thema?

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9 thoughts on “Redebedarf #1: Warum es mich aufregt, in Schubladen gesteckt zu werden

  1. Du sprichst mir vieles von der Seele, wenn auch es nicht immer dieselben Aspekte sind. Zum Thema „vegan“ : ich gebe zu, dass ich das kritisch sehe, verurteile aber niemanden, der sich vegan ernährt, warum auch? Soll doch jeder tun, was er möchte, was ihm gut tut. Ich esse Fleisch in geringen Maßen und achte darauf, dass es qualitativ hochwertig ist. Und obwohl ich Fleisch esse, mag ich Tiere. Das hört man nämlich aus der veganen-radikalen Richtung auch häufig, da wird man, wenn man sich äußert, als Mörder bezeichnet. Das geht mir persönlich dann viel zu weit. Ich finde es gut, dass Du das thematisierst. Ob jemand vegan lebt oder nicht, beides sollte toleriert werden. Ich mag Deine Rezepte sehr.

    Was Videospiele anbelangt, kann ich Deine Leidenschaft nicht teilen, finde das doch aber vollkommen legitim. Warum soll eine Frau keine Videospiele mögen?! Wirklich kleinkariert gedacht. Fussball mag ich zB super gerne.

    Tolles Statement, liebe Mara. Für mehr Toleranz!

    Neri

    Posted on 11/06/2017 at 12:31
  2. Word! Ganz besonders zum Absatz über die Videospiele! Das nächste, das mich da nervt, sind übrigens diese fürchterlichen „casual gamer“ vs. „core gamer“-Begriffe oder auch „fake gamer girl“ usw. Als müsste sich irgendein Mensch rechtfertigen, ob er oder sie denn wirklich gerne spielt oder beweisen müsste, auch wirklich der/die echte Gamer zu sein. Ugh.

    Posted on 11/06/2017 at 14:22
  3. Niemand hat das Recht über mich zu Urteilen und ich nehme mir auch nie das Recht, dies über andere zu tun.
    Ein toller Redebedarf-Beitrag von dir jedenfalls!
    Alles Liebe

    Posted on 11/06/2017 at 14:37
  4. Wahre Worte, liebe Mara! Egal, worum es geht – irgendjemand anderem zu sagen, was er tun oder lassen sollte, geht in meinen Augen gar nicht. Damit maßt man sich etwas an, zu dem man gar kein Recht hat. Ob man Fußball spielt oder Yoga macht, sollte doch eigentlich den Mitmenschen herzlich egal sein, man greift da ja nicht in die Privatsphäre von irgendjemand anderem ein.

    Leider sehen das nicht viele so. Gerade, was du wegen dem Veganismus ansprichst, ist mir ein Rätsel. Wenn du bei dir zu Hause vegan kochst, tust du der Welt immer noch etwas Gutes. Und was man isst oder nicht isst, ist eine persönliche Entscheidung – da sollte sich niemand erdreisten, dir da reinzuquatschen. Finde ich unglaublich unhöflich.

    Leider kann man das selten den Leuten ins Gesicht sagen, was schade ist. Genauso, wie es schade ist, dass man immer von einer modernen und aufgeklärten Gesellschaft ist und dann oft im engsten Umkreis auf solche blöden Kommentare trifft. :/

    Danke übrigens für deinen Kommentar, ist ja witzig, dass wir fast am selben Datum angefangen haben zu bloggen! :) Und ich liebe es auch, dass ich mit dir immer und überall über alles Mögliche fangirlen kann! :D Ich wünsche dir ganz viel Glück für das Gewinnspiel :))

    Posted on 11/06/2017 at 14:51
  5. Du sprichtst mir aus der Seele, ich habe in der Tat zu dem Thema auch einen Beitrag im Kopf, weil ich es erschreckend finde, wie die Diskussionen heutzutage in den sozialen Netztwerken enden. Eine normale Debatte ist da ja leider gar nicht mehr möglich, sobald der eigene Lebensstil nicht dem der anderen Person entspricht, wird man beleidigt und angegriffen. Kan nich nicht nachvollziehen, auch, wieso es immer noch so viele Klischees in den Köpfen vieler gibt.

    Jeder hat in Deutschland übrigens das Recht auf eine freie Entfaltung der eigenen Persönlichkeit. Vielleicht komme ich manchen da nun zu politisch, aber das ist nun mal im Grundgesetzt festgeschrieben und ein Grundrecht jedes Einzelnen. Somit verstehe ich nicht, wieso sich jemand anmaßt anderen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben.

    übrigens habe ich auch eine Videokonsole zu Hause und hab es schon als Kind geliebt Playstation zu zocken. Das fanden die Jungs in der Grundschule auch erstmal komisch, aber dann richtig cool. Und ich verstehe auch nicht, was daran komisch sein soll. In meinem Freundeskreis ist es das zum Glück nicht, da zocken sowohl Jungs als auch Mädels und wir teffen uns ganz oft. Genauso wie ich mit meinem Cousin und meiner Cousin Spiele austausche. Da ist das auch keine große Sache.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Dankeschön für das liebe Kompliment, freut mich, dass dir der Beitrag gefällt <3.

    Vor allem ist es halt auch die vorletzte Staffel und gerade das ist ja immer ein guter Zeitpunkt um mit manchen Figuren kurzen Prozess zu machen :/. Habe deshalb auch etwas bammel und hoffe einfach, meine Lieblinge bleiben mir erhalten. Wobei ich Cersei ja immer recht unterhaltsam finde. Okay, ich bin auch Lena Headey Fan und würde sie trotz Bosheit echt vermissen xD.

    Posted on 12/06/2017 at 18:50
  6. Sehr guter Post! Gerade beim Thema Videospiele geht’s mir ähnlich. Warum kann ich mich nicht für Mode interessieren und trotzdem gerne zocken? Und warum denken Männer immer, wir Mädels haben keine Ahnung von Gaming? Das ist doch Blödsinn!

    Posted on 12/06/2017 at 23:33
  7. Liebe Mara,

    dass das unbedingt mal von der Seele musste, kann ich dir sehr gut nachfühlen – ich denke, so ziemlich jeder schwirren ähnliche Gedanken im Kopf herum und ich bin dankbar, dass du die deinen mit uns teilst.
    Ich verstehe auch vor allem die Sache mit den Videospielen nicht – ich bin auch ein riesiger Fan von der Witcher-Reihe (den letzten Teil muss ich aber endlich mal durchspielen!) und sehe auch nicht ein, dass das ein männliches Betätigungsfeld sein soll. Überhaupt: Klischees und Schubladen sind doof. ;)

    Liebe Grüße
    Jenni

    Posted on 14/06/2017 at 09:36
  8. Liebe Mara
    Ein sehr toll geschriebener Beitrag, auch wenn das Thema an sich nicht sehr schön ist. Ich besitze seit einer Woche ein PS4 und habe das auch meinen Freunden erzählt. Von meinen weiblichen Freundinnen kamen seltsame Blicke und hochgezogene Augenbrauen, während meine männlichen Freunde mich gleich mit anderen Augen sahen. Den ersten blöden Spruch gab es deswegen auch schon. Also bin ich jetzt wohl auch an dem Punkt angekommen, wo ich mich rechtfertigen muss wieso ich es mag zu zocken.
    Meine Schwester spielt seit sie laufen kann leidenschaftlich Fussball. Sie spielte sogar ein Jahr lang in der höchsten Frauenliga in der Schweiz. Erwähnt sie das heute einem männlichen Fussballer erntet sie oft höhnisches Lachen und „Ist ja eh kein richtiges Fussball, also zählt es nicht“. Von der Bezahlung will ich gar nicht erst anfangen. Aber wie kann es nur sein, dass meine Schwester NIE Geld damit verdienen konnte, weil es eben Frauenfussball ist, aber ein Mann zwei Ligen unter davon leben kann? WO IST DA DER SINN?! Aber ja ich hör jetzt auf damit, sonst werde ich nur wieder wütend.
    Da mit kein gutes „Schlusssatz“ einfällt will ich einfach nochmal sagen: Toller Beitrag <3
    Liebste Grüsse
    Julia

    Posted on 18/06/2017 at 11:13